Warum Fähigkeiten im Job nicht reichen

Viele Unternehmen definieren Leistung primär über trainierte Fähigkeiten wie Abschlüsse, Erfahrung, Methodenkompetenz und Führungsskills. Das Ziel mutet teilweise dem Lesen einer Bedienungsanleitung an: ein Schritt-für-Schritt-Weg, um herauszufinden, wer was, wie schnell und auf welchem Niveau kann.

Im Arbeitsalltag zeigt sich dazu oft ein konträres Bild. Hochqualifizierte Mitarbeitende fühlen sich innerlich leer oder dauerhaft angespannt. Teams funktionieren fachlich reibungslos, aber sind dennoch konfliktgeladen.

Fehlende Kompetenz ist dabei eher selten der Grund, sondern vielmehr ein innerlich erlebtes Spannungsfeld der Mitarbeitenden, das selten bewusst reflektiert wird: der eigene Wertekompass.

Fähigkeiten eines Mitarbeiters entfalten sich nicht im luftleeren Raum

Eine Fähigkeit beschreibt, was ein Mensch gelernt hat und theoretisch wie praktisch anwenden kann. Die eigenen Werte beschreiben demgegenüber die innere Handlungsgrundlage.

Fähigkeiten lassen sich trainieren, ausbauen und optimieren. Die eigenen Werte hingegen lassen sich nicht erlernen – sie wollen erkannt, gelebt, respektiert und in Entscheidungen berücksichtigt werden. Sie werden beispielsweise in Reaktionen, Prioritäten und Grenzen greifbar.

Warum Werte die Grundlage von Leistung sind

Werte wirken wie ein innerer Kompass. Sie bestimmen, was sich für uns stimmig anfühlt, was Energie gibt oder langfristig kostet. Sie entstehen durch Prägungen in der Familie, durch soziale Systeme und durch eigene Erfahrungen.

Stimmen die persönlichen Werte eines Menschen und die im Unternehmen tatsächlich gelebten Werte nicht überein, entsteht ein innerer Konflikt. Dieser Konflikt ist häufig nicht bewusst greifbar und zeigt sich indirekt durch Reaktionen wie:

  • Steigende Reizbarkeit
  • Innere Kündigung
  • Überanpassung oder Rückzug
  • Entscheidungsblockaden
  • Chronischen Stress trotz objektiv „guter Position“

Oft versuchen wir in diesen Situationen, über Kontrolle gegenzusteuern. Wir reißen uns zusammen, um besser zu funktionieren und unsere Emotionen zu regulieren.

Doch Kontrolle löst keinen zugrunde liegenden Wertekonflikt, sondern überdeckt ihn lediglich.

Reaktionscoaching als Weg des Zugangs zum eigenen Wertekompass

Werte zeigen sich selten dort, wo alles rund läuft. Sie werden vor allem in Reaktionen sichtbar – dort, wo Emotionen wie Wut, Schuld oder Ärger auftreten oder Reaktionen wie Rückzug, Überforderung, Überanpassung oder innerer Widerstand entstehen.

Reaktionscoaching setzt genau hier an. Es hilft, Abstand zu einer triggernden Situation zu gewinnen und zu verstehen:

  • Warum reagiere ich hier so stark?
  • Was wird innerlich verletzt oder übergangen?
  • Welcher meiner Werte will hier gesehen werden?

Durch das bewusste Verstehen der Hintergründe sowie durch Wahrnehmung und Integration der eigenen Gefühle entsteht Klarheit. Eine Reflexion über die eigenen handlungsleitenden Werte – jenseits von Rollen oder Erwartungen – wird möglich.


Fazit

Fähigkeiten entscheiden darüber, was möglich ist.
Werte, wie und ob es tragfähig ist.

Menschen, die ihre eigenen Werte kennen und ernst nehmen, gewinnen in allen Alltagssituationen innere Handlungsfreiheit.

Unternehmen, die ihre Werte klar benennen und leben, eröffnen Räume, in denen Leistung nachhaltig entstehen kann.